Wir suchen noch alte Fotos von Straberg.

Bitte sendet uns Eure alten Fotos + evtl. Geschichten an folgende E-Mail Adresse:

walddorf@straberg.de


Einwohnerzahl:

1980   -   2398 Einwohner

2010   -   2738 Einwohner

2016   -   2693 Einwohner



Unser Straberg 

 

Wo wir heute wohnen, lebten bereits in der Mittelsteinzeit, also 8500 – 6000 v. Chr. Menschen. Durch nachweisbare Funde weiß man, dass auch in der Zeit des Jung- und Mittelneolithikums, in der Bronze- und Eisenzeit, bis zum Beginn unserer Zeitrechnung immer wieder einmal Menschen hier gesiedelt haben. 

 

Aus römischer Zeit gibt es im Bereich Straberg Fundstellen von Bauernhöfen. Auch wurde ein römisches Gräberfeld entdeckt und man konnte einen Tempelbezirk, in dem Quellnymphen verehrt wurden, südlich der Straße Straberg – Gohr in der Senke nachweisen. 

 

Unser Straberg erhebt sich auf einer kleinen Landerhöhung am Ufer eines alten versumpften und versandeten Rheinarmes. Nur wenn der Rhein in früherer Zeit Hochwasser führte, füllte sich dieser Arm noch mit Wasser. Beim Rückgang des Wassers blieb sumpfiger aber fruchtbarer Boden zurück. Dies machten sich die Kölner Klöster, Abteien und Stifte zu Nutzen.  

 

1155 umfasst die Bestätigungsurkunde des Besitzstandes von Knechtsteden durch Kaiser Friedrich I. die Güter: Straberg, Nievenheim Balgheim (Balcheim unter Nievenheim), Panhusen, Diborgehove (soll Delhoven sein).

Das Kloster Knechtsteden hatte schon 1155, also ca. 25 Jahre nach seiner Gründung, zwei Höfe im "Stro-broch". Der Name ist eine althochdeutsche Bezeichnung für eine Gegend im Schilf-Bruch. 1137, so können wir nachlesen, müssen 30 Denare für ein Lehen in „Strabruc" bzw. "Strabruch"  gezahlt werden. 

 

Zwischen 1176 und 1262 gab es in Straberg ein Adelsgeschlecht. In einer Vermächtnisurkunde aus dem Jahre 1176 taucht der Name eines Bewohners von Straberg auf, es ist 'Hermann von Strabruch'.  Der Mühlenhof in Straberg, Eigentum des Klosters Knechtsteden, wird 1232 in einer Besitzurkunde erwähnt.

 

In einer Urkunde des Erzbischofs Heinrich von Köln tritt im Jahre 1236 "Gerhard von Strabruch", Schultheiß zu Andernach, als Zeuge auf.  

 

In einer Pachturkunde aus dem Jahre 1255 wird er uns als "Ritter Gerhard von Strabruch" vorgestellt.  Zu einer Zeit, da Hülchrath noch Hilkeroede und Ückerath noch Oykeroede hießen, hatte unser Dorf seinen heutigen Namen.  Am 22. Dezember 1347 nämlich schenkten Konrad von Haven und seine Gemahlin Aleidis dem nahe gelegenen Kloster Knechtsteden ihr Straberger Haus mit einem und einem halben Morgen Land. So steht es in einer alten Knechtstedener Schrift, die sich bis gegen Ende des Krieges im Düsseldorfer Staatsarchiv befand.

 

Abt Konrad erhielt ein in Straberg bei dem sogenannten Wingartsgut auf der einen und dem sogenannten Zurengut auf der anderen Seite gelegenes Besitztum. Die Urkunde wurde ausgefertigt in Gegenwart dreier Zeugen, der Herren Johannes, Boem genannt, Winand von Straberg, und Gobelinus, Becker genannt. Sie waren die "Feudales" der verpachteten Höfe, des Wingartsgutes und des Zurengutes, das heißt sie hatten sie zu Lehen. Sie waren aber keine Hörige, sonst hätten sie nicht als Zeugen auftreten können, eher kleine Adlige, wie Herr von Haven selbst, dem sie den Gefallen erwiesen.

 

Nebenher erwähnt befinden wir uns mitten in der Zeit, in der sich die Familien- und Hofnamen entwickelten. 

Die Zollnebenstelle Straberg ist ebenfalls erst nach 1600 bezeugt.

Am 15. Dezember 1609 setzte die Stadt Neuss den Meister Thonis Peters zu Straberg und in den zugehörigen Orten als Zöllner ein. Auch hier gab es Zollübertretungen.

 

Gegen Ende des 16. Jahrhunderts wird schon von einigen Bewohnern Strabergs Bier- und Weinsteuer erhoben. Außerdem finden wir in einer Beschreibung der Ländereien um Straberg alte Flur- und Wegenamen, die bis heute noch Geltung haben, wie z.B. "am Pannes, an der Kölschen Straße, im Broich, am Ückerather Weg, an der Beginen Kuul oder Viehstraße". 

 

Im 18. Jahrhundert gehört Straberg zur Amtsverwaltung Hülchrath und zur Pfarrei Nievenheim. 1767 wird in Straberg eine kleine Kapelle gebaut. Sie ist der Hl. Agatha geweiht. Aber hier durfte nur werktags eine Hl. Messe gefeiert werden. Die Straberger Bürger müssen nach Nievenheim zur Kirche gehen. Es werden aber wohl die meisten Leute, so wie es heute noch ist, nach Knechtsteden zur Messe gegangen sein. 

 


Bürgermeisterei Nievenheim, die 1927 in Amt Nievenheim umbenannt wurde. 

 

1832 hatte sich der Pfarrer von Straberg sich bei der zuständigen Behörde darüber beschwert, dass in seiner Pfarrgemeinde ein Mann mit seiner Stiefmutter bereits über viele Jahre hinweg im Konkubinat lebte; der Verbindung, so der Pfarrer weiter, entstammten mittlerweile schon fünf Kinder. In Bezug auf bestehende Konkubinate bittet der Pfarrer die geforderte Strenge walten zu lassen. Immer wieder beklagten sich die Geistlichen dann auch darüber, dass sie bei ihrem Vorgehen gegen die "wilden Ehen" von kommunaler Seite keine Unterstützung erhielten.

 

1849 fanden Arbeiter beim Auswerfen eines Entwässerungsgrabens 3 Votivsteine. Die Stelle dieses Fundes ist eine sandige Anhöhe, fest ind er Mitte des Bruches zwischen Straberg und Gohr. Vielleicht in alter Zeit eine kleine Insel im Rhein, wo das Nymphäum stand, zu welchem diese Steine gehörten. Bei denselben wurde noch eine 9 Z. hohe Statuette von gebrannten gelben Ton gefunden, eine sitzende weibliche Figur von roher Arbeit. Dabei lagen noch circa 200 schlecht erhaltene Kupfermünzen aus der Kaiserzeit, ferner über hundert halb versteinerte Tannenzapfen von der Größe und der Form einer Ananas, römische Ziegel und Fragmente von Tongefäßen. Der erste Stein ist sehr gut erhalten und die Buchstaben sind alle scharf und deutliche eingehauen:

 

NIMPHIS

T CELSINVS

G V M I V S

V  S  L  M

 

Der zweite, grauer Sandstein wie der erste ist ebenfalls gut erhalten und am oberen Rande mit architektonischen Verzierungen versehen, einem kleinen Frontispice und zu jeder Seite mit einer Wulst:

 

NIMPIS

SIMMO

HT QVAR

T  V S

V  S  L  M

 

Das dritte Denkmal, von Tuffstein, ist von gleicher Größe und Verzierung wie das zweite, aber aus einer späteren Zeit, wie die Formen des M, A, E und T beweisen. Die Schrift der ersten und dritten Zeile ist sehr abgerieben und daher schwierig zu deuten.

 

HLIRV

MARCV

ET HV

V  S  L  M

 

1874 kommt Straberg zusammen mit Knechtsteden auf 700 Einwohner gem. dem statistischen, geographischen Bericht von Gustav Neumann im 2.Band Geographie des preußischen Staates.

Im Dezember 1888 konnte die auf Betreiben von Pastor Hermann Joseph Schmitz erbaute neue Kirche eingeweiht werden. 1894 wurde die Spar- und Darlehenskasse Nievenheim-Straberg GmbH gegründet welche in Straberg eine Zweigstelle eröffnete. 1911/12 kam Elektrizität ins Dorf. Die ersten Laternen 

beleuchteten die Straßen. An das Wasserleitungsnetz wurde Straberg hingegen erst 1934 angeschlossen. 

 

Eine Schule für die Kinder gab es schon seit dem frühen 19. Jahrhundert und 1863  wurde mit dem Bau eines neuen Schulgebäudes begonnen. Diese Schule hatte nur zwei Klassen. Direkt daneben das Umfeld von Straberg 


Das Amt Nievenheim 

 

Als im Jahre 1794 die französischen Truppen unser Gebiet besetzten, wurde Nievenheim mit den Orten Delrath, Ückerrath und Straberg mit dem Kloster Knechtsteden von einem Munizipalagenten verwaltet. Im Jahre 1816 wurde die Bürgermeisterei Nievenheim aus den Gemeinden Nievenheim und  Straberg gebildet. Sie gehörte zunächst dem Kreis Neuss, dann dem Kreis Grevenbroich in der Rheinprovinz an. 

1870 wechselte die Gemeinde Gohr von der Bürgermeisterei Nettesheim zur Bürgermeisterei Nievenheim.

1927 erfolgte die Umbenennung der Bürgermeisterei Nievenheim in Amt Nievenheim.

1938 wurde die Gemeinde Broich, Amt Evinghoven, in die Gemeinde Gohr eingemeindet.  

Das Amt Nievenheim wurde 1975 aufgelöst und in die Stadt Dormagen eingegliedert.   


Nordrhein-Westfalen  

 

Am 23. August 1946 gründete die Besatzungsmacht Großbritannien das Land Nordrhein-Westfalen aus dem Nordteil der preußischen Rheinprovinz (Provinz Nordrhein) sowie der ebenfalls preußischen Provinz Westfalen. 1947 wurde das jahrhundertelang selbstständige Land Lippe eingegliedert. Der Besatzungsmacht ging es nicht darum zusammen zu führen was zusammen gehört, denn das trifft, wie ihr ja seht, nicht auf Nordrhein-Westfalen zu, sondern ging es der britischen Regierung im 

Vordergrund darum, das Ruhrgebiet und seine bedeutenden industriellen Ressourcen als Ganzes in einem Land einzubetten.

 

wurde 1936 eine neue Schule mit vier Klassen gebaut. Als 1972 die katholische Grundschule am Kronenpützchen eingerichtet wurde, begann man in der alten Schule mit Jugend- und Seniorenarbeit und  gab diesem Pfarrheim den Namen Alfred Delp Haus


Ende der Selbstständigkeit Strabergs 

 

Mit der kommunalen Neugliederung 1975 endete die Selbstständigkeit Strabergs. Am 1. Januar 1975 wurde Straberg ein Stadtteil der 1969 gegründeten Stadt Dormagen. Letzter ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Straberg war Leo Drexler (CDU). Letzter ehrenamtlicher Gemeindedirektor war Johannes Sticker. 

Hier 2 Fotos vom Grabstein des letzten ehrenamtlichen Bürgermeisters aus Straberg: Leo Drexler

Text: Anneli Drexler


Das Wappen von Straberg 

 

Bei dem Wappen von Straberg handelt es sich um das erste Wappen von Knechtsteden, das vermutlich von dem zweiten Probst der Abtei Knechtsteden  namens Christianus eingeführt wurde.
Christianus war zuvor Kanoniker an St. Andreas in Köln. Einer seiner Nachfolger war ein Edelherr von Lennep, der vier Schafscheren in seinem Wappen führte. Von ihm wurde das Wappen mit dem goldenen Andreaskreuz und den vier Schafscheren zu dem Straberger Wappen vereint.
Im Jahre 1952 erteilte der Innenminister von NRW dem Amt Nievenheim das Recht zur Führung seines Wappens, dass das Wappen der damaligen Gemeinde Straberg mit einschloss. 

Hier sind ein Paar alte Bilder, sowohl aber auch eine digitale Rekonstruktion des Innenraums abgebildet. 

1710 - 1767 Die St. Agatha-Kapelle in Straberg

 

Seit der Einführung Strabergs haben hier Christen gewohnt. Sicherlich ist im Dorf nach der intensiven Besiedlung im 13. Jahrhundert eine kleine Kapelle entstanden, von der uns jedoch keine schriftlichen Nachrichten vorliegen. Erstmalig wird in einer Zusammenstellung der Weihehandlungen der Kölner Erzbischöfe am 13.06.1710 für den Knechtstedener Abt Arnoldus Brewer die Vollmacht ausgesprochen, eine Glocke, gegossen für den Gebrauch der Kapelle in Straberg, zu segnen und zu weihen.

Erst für das Jahr 1767 wird vom Bau einer kleinen Kapelle berichtet - unmittelbar südlich des heutigen Kirchturms in der als Patronin die heilige Agatha verehrt wurde. Die Heilige, die als Beschützerin in Feuersgefahr gilt, war auch in der Mutterpfarre Nievenheim schon von Bedeutung. Darauf deutet ein Grabstein hin, der auf dem alten Kirchhof an Sankt Pankratius in Nievenheim steht und in der MItte Salvator Mundi, links Sankt Pankratius und rechts Sankt Agatha zeigt. Der Stein trägt zwar kein Datum, könnte aber aufgrund seiner Stilelemente aus der Mitte des 18 Jahrhunderts stammen.

Text: Anneli Drexler


1794 Die Franzosenzeit

 

1794 besetzten französische Revolutionstruppen unter Napoleon das linke Rheinufer. Die ,,Franzosenzeit", die bis 1814 andauernde, brachte gravierende Veränderungen mit sich. Napoleon nahm sich dem Handel und der Wirtschaft, der Bildung und den Finanzen an - und der Rechtsprechung. Eine seiner größten Errungenschaften wurde der Code Civil, ein Bürgerliches Gesetzbuch. Bis heute ist es die Grundlage der französischen Rechtsprechung. Was aber vielleicht am deutlichsten sichtbar wurde war die Säkularisation.  

 

Die Mönche der Abtei Knechtsteden fliehen mit ihrem Abt Hendel (+ 1805, begraben in Nievenheim  neben der Kirche) auf das rechte Rheinufer. Die Abtei steht leer und schutzlos da. Sie wird von den umliegenden Dörfern, Gutshöfen und von durchziehenden französischen Soldaten restlos ausgeplündert und zum Teil zerstört. Während dieses Vandalismus sind die gesamte Bibliothek, alle 

Archive, sowie wertvolle Gemälde und Aufzeichnungen verschwunden oder verbrannt worden. Wichtige Geschichtsdaten sind damit für immer verloren. 

 

 

Nach dem Wiener Kongress fiel das hiesige Gebiet 1815 an Preußen. Straberg wurde eine selbständige Gemeinde in der


Hier ist ein Grundriss des Dorfes Straberg aus dem Jahre 1811 (NRW HStA, Roer-Dep. Nr. 2099)

"Unsere Gemeinde bestehet in 89 häuser bei 500 Seelen", so in einem Schreiben der Straberger Gemeinde an den Bischof von Aachen.

1804 Die selbstständige Pfarrgemeinde St. Agatha Straberg

 

Die Zeit, in der unsere Vorfahren selbstständig werden wollten.

Damit uns klar wird, was unsere Vorfahren geleistet haben und wie mutig sie waren, ein Blick in die Geschichte:

 

Es war in der sogenannten Franzosenzeit, eine schwierige Zeit als unsere Vorfahren auf den Gedanken kamen, sich von Nievenheim und Knechtsteden unabhängig zu machen. Die katholische Kirche wurde durch die Französische Revolution (1789 bis 1799) unterdrückt. Es kam 1793 und 1794 zu einer Phase der "Entchristianisierung". Der Besitz der Kirche wurde dem Staat zugeführt (Säkularisation), Klöster wurden geschlossen.

Ab 1795 erfolgte dennoch eine vorsichtige Lockerung. Gottesdienste wurden wieder erlaubt, allerdings ohne Glockenläuten. So mancher Priester kehrte aus dem Exil zurück.

Am 9. November 1799 übernahm General Napoleon Bonaparte mit einem Staatsstreich die Macht in Frankreich. Als Konsul uns Kaiser brachte Napoleon fast ganz Europa unter seine Kontrolle. Als Napoleon an Ostern 1802 mit Papst Pius VII ein Konkordat schloss glaubte man, die schlimme Zeit sei vorbei.

Alles Kirchengut, Klöster, Pfarrkirchen und Dorfkapellen mit allem Drum und Dran wurde der in Aachen eingerichteten Domänenkammer zur Verwaltung übertragen. Anfang 1802 begann das große Reinemachen. Die Klöster wurden aufgelöst, die Nonnen, Brüder und Patres standen wie vorgeschrieben in Laienkleidern auf der Straße und mussten sehen, wo sie unterkamen. Die Prämonstatenser in Knechtsteden brauchten nicht fort. Winand Kayser, der von seiner in Köln wohnenden Familie unterstützt wurde, fuhr nach Aachen und hatte am Tag nach der Aufhebung, am 8. September 1802 die Abtei mit 144 Hektar Land für 5470 Franken gepachtet. Im Übrigen machte sich Winand Kayser (+1842) nicht nur um die Knechtstedener Kirche verdient wo er regelmäßig öffentliche Gottesdienste abhielt, sondern trat sowohl in Straberg als auch in Delhoven als großer Wohltäter auf. Kayser spendete Brot und Getreide, förderte fleißige Schüler und initiierte eine Stiftung für bedürftige Familien, um nur einige Beispiele seines breit angelegten Wirkens zu nennen. In Straberg ist heute eine Straße nach diesem bemerkenswerten Mann benannt.

Die verstaatlichten Kirchen wurden später den Gemeinden zur Verfügung gestellt. Winand Kayser war sich darüber im Klaren, dass er die Abtei demnächst ankaufen musste. Trotz des Pachtvertrages würde die Aachener Domänenkammer, die Abtei sofort abstoßen, wenn ihr ein Kaufwilliger ein gutes Angebot machen sollte. Um die Kirche nicht mit ankaufen zu müssen, musste sie einen Zweck bekommen, der sie unveräußerlich machte. Er wollte aus ihr die Pfarrkirche für Straberg und Delhoven machen.

Text: Anneli Drexler


 links: original Zeichnung Südliche Längsseite der alten Kirche in Straberg

mitte: Brief des Bischofs Berdolet aus Achen vom 07. November 1804. Der Geburtsschein der Pfarre Sankt Agatha

rechts: digital überarbeitete Zeichnung der alten Kirche

1804 Strabergs Kirche wird Pfarrkirche

 

Auch in Straberg wurde die Kirche der Gemeinde zur Verfügung gestellt und das nur mit dem was man unbedingt nötig hatte, ein Messgewand, zwei Kerzenleuchter...

Am 25. Juli 1802 bestellte Napoleon Bonaparte für die von ihm im Departement Roer neu eingerichtete Diözese Aachen den ersten Bischof. Er hieß Marc-Antoine Berdolet und kam aus dem Elsass, wo er Bischof von Colmar gewesen war. Er war ein guter Mann und nahm seine Aufgaben ernst. Er besorgte sich tüchtige Mitarbeiter, reiste in der Diözese umher und hatte für die Sorgen der Christen ein offenes Ohr. Auch für uns Straberger, als unsere Vorfahren für ihre Kirche Pfarrechte beantragen.

Sie verlangten nichts Unmögliches. Jede Gemeinde konnte sich einen Raum für den Gottesdienst einrichten und sich einen Geistlichen besorgen, wenn man die Staatskasse nicht beanspruchte.

Die Straberger Gemeinde hatte einen Geistlichen aufgenommen, Josef Streider, einen ehemaligen Mönch, der, als 1802 sein Kloster aufgehoben wurde, auf der Straße stand. Deservanten nannte man diese Geistlichen.

Wenn die Straberger ihr Ziel erreichen, konnte das für Knechtsteden gefährlich sein.

In einem langen lateinischen Brief des letzten Abtes von Knechtsteden, Michael Hendel (+29.11.1805), an den Aachener Generalvikar Fonck lesen wir, dass ihn die Straberger gründlich geärgert haben. "Sie verlangen Pfarrechte für ihre Kirche. Dabei wissen sie nicht wovon sie existieren soll, denn sie ist nicht dotiert. Kein Scheffel Land, den man verpachten könnte um die Kultuskosten zu bestreiten." 

Auch der Rat der Gemeinde Nievenheim versucht, die dauerhafte Selbstständigkeit der Sukkursale Straberg zu verhindern. Unsere Vorfahren haben aber, wie es scheint, nicht nur beim Bischof, sondern auch beim Departementspräfekten ein offenes Ohr gefunden. Sie haben ihre Forderung mit den langen Kirchwegen nach Nievenheim und Knechtsteden begründet. Wir wissen, dass die Wege auch zu Fuß, so lang nicht sind. In Aachen wurde allen Parteien geholfen. Zuerst bekam Straberg eine Pfarrkirche und einen Deservanten. Die Freude der Straberger war aber nicht ungetrübt. Der Deservant blieb dem Pfarrer von Nievenheim Rechenschaft schuldig und von seinem Gutdünken abhängig, aber sie konnten in ihrer Kapelle der Sonntagspflicht genügen und die Sakramente empfangen.

Im folgenden Jahr wurde die Abteikirche Knechtsteden in einem von Napoleon persönlich unterzeichneten Dekret zur Annexkirche in der Bürgermeisterei Nievenheim bestimmt. Es konnte nun auch ihr nichts Böses mehr geschehen. Noch in der Franhzosenzeit wurde aber daran etwas geändert.

In einem Schematismus der Diözese Aachen wird der Deservant von Straberg für die beiden "hameaux = Weiler" Knechtsteden und Blechhof zuständig. Knechtsteden und der Blechhof erscheinen hier als eigene kleine Dörfer, die in der Gemeinde Straberg liegen. Die Abtei ist um diese Zeit, im Jahre 1813 seit drei Jahren verkauft und in den persönlichen Besitz Winand Kaysers übergegangen. An diesen Verhältnissen änderte sich nichts bis König Friedrich Wilhelm von Preußen 1821 mit dem Papst ein Konkordat schloss. Die alte Erzdiözese Köln wurde wieder eingerichtet und Straberg wurde eine Pfarrei neben den andern mit einem vmo Staat besoldeten Pfarrer. In der Gemeinde lag die Annexkirche Knechtsteden.

Unsere Gemeinde Straberg verdient hohes Lob. Sie war weder zahlreich noch reich. Trotzdem übernahmen unsere Großeltern durch viele Jahre hindurch, ganz auf sich gestellt, die Sorge für ihre Kirche und ihren Geistlichen.

Das Verhältnis zu den Knechtstedenern war nach Streitigkeiten am Anfang, solang Winand Kayser lebte, immer gut. 

Text: Anneli Drexler


1867 Der Sankt Hubertus Schützen Verein

 

In der St. Hubertus Schützenbruderschaft gibt es drei Festschriften. Die erste wurde 1967 zum 100-jährigen, die zweite 1992 zum 125-jährigen und die letzte 2017 zum 150-jährigen Jubiläum erstellt. Der folgende Bericht ist eine verkürzte Zusammenfassung aus diesen Festschriften.

 

Der St. Hubertus Schützenverein Straberg

Der Knechtstedner Abt Leonhard Jansen gründete 1730 eine Sakramentsbruderschaft die alles was in der näheren und weiteren Umgebung etwas auf seinen katholischen Glauben hielt, zu Mitgliedern zählte. Zur Sommerzeit pilgerten sie in hellen Scharen zum Kloster, um dort zur Ehre des Herrn an festlichen Gottestrachten teilzunehmen.

Zur Sakramentsbruderschaft kam 1867 ein Schützenverein. Von den Männern, die mit dem Dorfschullehrer Friedrich Ahles den Anfang machten, waren, wie alte Bilder ausweisen, eine Anzahl Kriegsteilnehmer gewesen.

Der "St. Hubertus Schützenverein Straberg" war ihnen alles in einem: Schützenverein und Kriegerverein, dazu Männergesangverein für diejenigen, di, wie es seit Ende des 18. Jahrhunderts üblich geworden war, auch in unserem Dorf das überlieferte volkstümliche Liedgut pflegen wollten, und schließlich auch Sakramentsbruderschaft. So feiern wir noch heute am 5. Sonntag nach Ostern die Gottestracht, das Stiftungsfest des Vereins.

Der Schützenverein wurde zu einem festen Bestandteil in Straberg.

Am 26.08.1877 wurden die "Statuten des Straberger Schützenvereins" dem königlich-preußischen Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz zur Bestätigung unterbreitet.

Am 18.10.1877 wurden sie vom königlich-preußischen Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Koblenz genehmigt mit der Anordnung, dass eine Abänderung zur Genehmigung dem Oberpräsidenten vorgelegt wird. Bei Preußens wollte man alles wissen.

Wie stark das Leben unserer Väter vom Glauben geprägt war zeigt, dass das eigentliche Schützenfest ebenfalls mit einem Kirchenfest in Verbindung gebracht wurde, dem Fest Maria Geburt am 8.September. Fiel das Fest auf einen Wochentag, so wurde am nächsten Wochenende -wie noch heute- Schützenfest und Kirmes gefeiert. Und wie damals wird auch noch heute am Schützenfestsonntag am Schluss der heiligen Messe zu Ehren der Gottesmutter das Lied "Ros', oh schöne Ros', in St. Annä Schoß" gesungen.

Text: Anneli Drexler


 Links: 100 jähriges Jubiläum 1975

Mitte: Gruppenfoto zum 140 jährigen Bestehen 2015

Rechts: Ölgemälde von Caecilia

1875 Kirchenchor "Caecilia Straberg"

 

Der folgende Bericht ist aus den Festschriften 1975 zum 100-jährigen und von 2000 zum 125-jährigen Bestehen entnommen.

 

Der Kirchenchor ist nach der Schützenbruderschaft die älteste Gemeinschaft in Straberg. Im Winter des Jahres 1875 traten einige junge Leute aus Straberg an den damaligen Hauptlehrer Hubert Klein heran und baten ihn, gemeinsam mit ihnen einen Theaterverein zu gründen, damit man der Dorfbevölkerung etwas Frohsinn und Unterhaltung bieten konnte. Jedoch Herr Klein hatte einen anderen Vorschlag zu machen: Gründung eines Kirchenchores.

Man benannte ihn "Kirchenchor Caecilia" Straberg 1875. Durch eifrige Werbung seiner Nachfolger stieg laufend die Mitgliederzahl, so dass bereits 1913 ein großes Caecilienfest unter Mitwirkung des Westender Männerquartetts aus Mönchengladbach, des blinden Baßsolisten Jakob Abels aus Buchholz und des Straberger Theatervereins "Frohsinn" gehalten werden konnte.

Während des I.Weltkrieges (1914-1918) wurden viele Mitglieder des Kirchenchores, zum Wehrdienst einberufen. Aber bereits 1922 war man in der Lage ein großes Konzert aufzuführen, auf dem auch auswärtige Chöre mitwirkten. Damals bestand noch ein Knabenchor, mit dessen Mitwirkung Weihnachtsoratorien aufgeführt wurden.

Bei der Einweihung des Straberger Kriegerdenkmals im Jahre 1922 wirkte der Straberger Kirchenchor ebenfalls mit. Durch Hand- und Spanndienste oder musikalische Darbietungen hatten seine Mitglieder mit zur Errichtung und Finanzierung beigetragen.

Das fünfzigjährige Jubelfest 1925 wollte man groß feiern. Durch Konzerte, Verlosungen und Spenden konnte die für die damalige Zeit beträchtliche Summe von 1000 Reichsmark aufgebracht werden. Es wurde eine Vereinsfahne angeschafft, die die Schwestern vom Kloster Kreitz bei Holzheim in Stickarbeit anfertigten.

Beim Festhochamt, in dem eine mehrstimmige Messe gesungen wurde, beteiligten sich selbstverständlich auch Brüder un Patres aus Knechtsteden.

Als die Nationalsozialisten 1933, ihre Gewaltherrschaft antraten brachen für den Chor schwere Zeiten an. Er verlor Mitglieder und auch den Chorleiter und die Proben, die bis dahin immer in der Schule stattfanden, mussten nun in der Kirche stattfinden. Im 2. Weltkrieg schrumpfte der Chor noch mehr. Aber die nicht eingezogenen Mitglieder sangen gelegentlich im Gottesdienst. So konnte der Chor schon 1947 am ersten Dekanatssingen in Nievenheim teilnehmen. Doch er brauchte dringend Verstärkung.

So kam es 1951 zum Zusammenschluss des hiesigen Männerchores "Waldröschen" mit dem Kirchenchor.

1954 wurden auch sangesfreudige Damen in den Chro aufgenommen. Es begann ein schönes Chorleben mit Gesang und Geselligkeit.

Das 100-jährige Stiftungsfest 1975 war ein absoluter Höhepunkt für die Sängerinnen und Sänger sowie für alle, die die Feierlichkeiten miterleben durften. Zum Beginn der Jubiläumsfeierlichkeiten stand ein Festkommers im Schützensaal Straberg. Im Festkonzert am darauffolgenden Sonntag wirkten neben dem Kirchenchor Straberg alle Chöre des Dekanates Dormagen sowie befreundete Chöre mit. Am Abend wurde im Schützensaal noch kräftig das Tanzbein geschwungen.

Außer dem Dekanatssingen, an dem man regelmäßig teilnahm, gab es noch weitere erwähnenswerte Höhepunkte.

1977 sang der Kirchenchor zur goldenen Priesterweihe von Pater Rath in der Klosterbasilika im Festgottesdienst die Primizmesse.

1978 waren alle Chöre des Dekanates Dormagen zu einer Schallplattenaufnahme geladen. Der Straberger Kirchenchor sang bei dieser Aufnahme des Lied "Peters Brünnele".

Im Sommer 1979 richtete die Stadt Bonn die Bundesgartenschau aus. Der Kirchenchor verband seinen jährlichen Tagesausflug mit einem Besuch der Schau. Natürlich wurden im Theaterzelt einige Lieder zum Besten gegeben.

Am 4. Februar 1980 vollendete Pater Rath sein 80. Lebensjahr. Zur Geburtstagsfeier im St. Hubertus Schützensaal brachte der Chor ihm ein Ständchen.

Im Juni 1985 empfing Herr Diakon Hans Pohl im Hohen Dom zu Köln das Sakrament der Priesterweihe. Pfarrer Pohl war lange Jahre aktiver Sänger des Kirchenchores Straberg. Seine erste Messfeier wurde von seinen ehemaligen Sänger-Kollegen musikalisch mitgestaltet. Auch beim anschließenden Empfang im Schützensaal sang der Chor.

Bei der Festmesse zu seinem 110. Stiftungsfestes am 22.09.1985 sang der Chor die "Messe in C" von Anton Bruckner. Nachmittags war die Dorfgemeinschaft zu einem Chorkonzert im Schützensaal eingeladen.

Im Mai 1988 gestaltete der Kirchenchor, anlässlich des 850. Gründungsjahres der Klosterbasilika Knechtsteden, einen Gottesdienst mit. Mit Patronatsfest des Kirchenchores am 26. November 1988 begann die Festwoche zum 100-jährigen Bestehen unserer Pfarrkirche. Im Festgottesdienst sang der Kirchenchor die Messe "Regina Pacis" von Heinrich Lehmacher. Die musikalische Begleitung übernahm die Polizeikapelle aus Düsseldorf.

Im Oktober 1989 feierte die katholische Frauengemeinschaft Straberg ihr 75-jähriges Bestehen. Im Festgottesdienst sang der Kirchenchor die "Messe in C" von Anton Bruckner.

Im Dezember 1989 weihte Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner während eines Pontifikalamtes den neuen Volksaltar in unserer Kirche. Der Chor war mit seinen Gesängen dabei. Der langjährige Chorleiter Johann Hilgers ging in den Ruhestand. Nachfolgerin wurde im Januar 1990 Frau Susanne Becker.

Am Fronleichnam 1991 sangen die Chöre aus Straberg und Delhoven gemeinsam einen Festgottesdienst auf dem Conradshof. Fortan blieb diese Gemeinsamkeit am Fronleichnam bis 2005 bestehen.

Zur Gottestracht im Jahr 1992 feierte die St. Hubertus-Schützenbruderschaft Straberg ihr 125-jähriges Stiftungsfest. Da fast alle Sänger unseres Chores auch Schützenbrüder sind, war es selbstverständlich, dass der Festgottesdienst von unserem Chor musikalisch mitgestaltet wurde.

Am Sonntag, den 25. Juni 1995, feierte Fritz May, unter großer Beteiligung der Straberger, die Primizmesse in seiner Heimatpfarrirche St. Agatha. Der Chor sang im Gottesdienst die "Kleine Orgelsolomesse". 

Auch bei der Einweihung des neuen Kindergartens am 17. April 1999 trat der Chor auf.

Zu seinem 125. Stiftungsfest am 26.06.1999 sangen Sängerinnen und Sänger die "Missa brevis et solemnis in C" von Wolfgang Amadeus Mozart im Pontifikalamt, das ihr Schirmherrn, der damaligen Weihbischof Dr. Friedhelm Hofmann, zelebrierte.

Von 2006 bis 2008 wurde das Fronleichnamsfest für die Gemeinden Straberg und Delhoven im Kloster Knechtsteden gefeiert. Wei schon seit 1991 auf dem Conradshof sangen die Chöre von Straberg und Delhoven gemeinsam im Festgottesdienst.

2006 schlog Chorleiterin Frau Becker zum ersten Mal vor die Chöre Straberg und Delhoven zu vereinigen. Im Februar 2009 wurde über einen Zusammenschluss abgestimmt.

2010 bildeten die beiden Chöre eine Chorgemeinschaft. Die Proben fanden im Wechsel in Straberg und Delhoven statt.

Am Caeciliafest 2015 feierte der Kirchenchor Caecilia Straberg sein 140-jähriges Bestehen.

Text: Anneli Drexler


links: original Foto vom alten Schützensaal

rechts: eine Skizze des alten Schützensaals

1882 Der erste Schützensaal

 

Das nächste wichtige Datum in der Geschichte des Schützenvereins ist der 04.06.1882. Die Schützen beschlossen eine Festhalle zu bauen. Wörtlich heißt es im Protokoll: "Wir, die Unterzeichneten verbürgen uns solidarisch für die Summe der zu ergebenen Kosten des Aufbaus einer Schützenhalle und verpflichten uns hierzu, pro Mann jährlich 2 Mark zu tragen, bis die Kosten bezahlt sind".

Als die Halle gegen Ende des Jahres fast fertiggestellt war, hatte der Verein 1400 Mark Schulden, obwohl fast alle Arbeiten an der Halle in Eigenleistung ausgeführt worden waren.

Drei Darlehen wurden aufgenommen. Peter Hahn aus Straberg stellte 900 Mark und Andreas Breuer aus Nievenheim 300 Mark zur Verfügung. Der Restbetrag von 200 Mark wurde bei der Straberger Kirchenkasse aufgenommen. Als Bürgen für die Schuldscheine unterzeichnete der geschäftsführende Vorstand Peter Bilk, Anton Helmig und Hermann Krücken. Damit diese drei Männer aber nicht für diese damals gewaltige Schuldenlast alleine gerade zu stehen mussten, unterschrieben am 26. November 1882 noch 54 weitere Mitglieder, die Gläubiger aus ihrem Vermögen vor Schaden zu bewahren. Aber soweit ist es wohl nie gekommen. Anscheinend konnten die Darlehen in kürzester Zeit getiglt werden, denn es wird uns nichts mehr darüber berichtet.

Wenn es um das Gemeinwohl des Dorfes ging, war der Schützenverein immer zur Stelle. Schon um die Jahrundertwende sorgte er dafür, dass alle Kinder am Martinstag einen Weckmann bekamen. Damit die Straberger Frauen sich besser mit den neu auf den Markt gekommenen Elektroherden und -geräten vertraut machen konnten, beschlossen die Schützen am 20. Mai 1914 den Saal einen Monat unentgetlich für einen Koch- und Backkursus zur Verfügung zu stellen.

Text: Anneli Drexler


Bild 1: Aufziehen der Bronzeglocke 1892 , welche im 1. Weltkrieg eingeschmolzen wurde

Bild 2: Wappen der Glockengießerei Otto Hemelingen

Bild 3: Postkarte der Glockengießerei Ulrich & J.F. Weile aus Bockenem im Harz

Bild 4: Aufziehen der Stahlglocken 1924

1892 Glocken für die neue Kirche

 

Nachdem die neue Kirche fertig gestellt und am 03.12.1888 geweiht wurde, regte sich der Wunsch, ein würdiges Geläute zu besitzen. Otto aus Hemelingen bei Bremen schlug für Straberg ein Geläut von 8 und 12 Zentnern vor zum Preis von ca. 2.600 Mark.

Nun ging es um die Finanzierung. Pfarrer Schmitz teilte der Gemeinde mit, dass er die Glocke stiften werden. Seine Tante Zander hatte ihm für diesen Zweck einen großen Betrag zukommen lassen. Er selbst verzichtete in diesem Jahr auf die Ostergaben zugunsten der Kirche. Der Restbetrag wurde durch Sammlungen erbracht.

Vor Palmsonntag 1892 trafen die neuen Glocken ein. Leider waren sie unverpackt und dadurch an den Rändern stark beschädigt. Sie wurden auf einen geschmückten Wagen geladen und von vier Pferden durch das Dorf gezogen. An Palmsonntag wurden sie geweiht.

Jeder durfte gegen ein Almosen die Glocken mit dem Hammer anschlagen. So kamen 180 Mark zusammen.

Zur Freude der Gemeinde und der Umgebung erschallten die Glocken am Karsamstags-Nachmittag zum ersten Male. Die große Glocke, g-Ton, wurde auf den Namen des Spenders Hermann Joseph geweiht; die kleine Glocke, c-Ton, wurde zu Ehren der Pfarrpatronin der heiligen Agatha geweiht.

Sie erhielt die Inschrift "St. Agatha - ora pro nobis (bitte für uns), Otto von Hemelingen goss mich 1892".

 

Die Glockengießerei Otto, auch Glockengießerei Hemelingen genannt, wurde im Jahre 1874 in Hemelingen, heute ein Stadtteil von Bremen, gegründet. Das Unternehmen firmierte unter "Glockengießerei F. Otto Hemelingen" und hat mit Ausnahme der Kriegsjahre bis zur Einstellung des Gussbetriebs 1974 mehrere tausend Glocken gegossen.

 

Im 1. Weltkrieg wurde eine Bronzeglocke des Geläuts beschlagnahmt und eingeschmolzen.

1923 überlegte der Kirchenvorstand, diese eingeschmolzene Glocke, die der heiligen Agatha geweiht war, zu ersetzen.

Dann ging es nicht nur um die Finanzierung, man musste sich auch mit der Glockenbestellung sehr beeilen, da der Geldverfall groteske Formen annahm.

Die Jünglingskongregation führte unter der Leitung von Adam Breuer das religiöse Theaterstück "Drei Tage aus dem Kölner Leben" auf. Dieses Theaterstück wurde sogar später in der Spielzeit 1975-76 im Volkstheater Millowitsch zu Köln aufgeführt. Vom Reinerlös konnten 1.000 Mark Inflationsgeld als erstes Glockenpfand hinterlegt werden.

Auf Drängen von Hans Peter Zaum (Hans-Pitter) sollte gleich eine zweite, aber schwerere Glocke mitbestellt werden. Er sagte zum Pfarrer Dr. Minjon, dass er den vollen Restbetrag übernähme, der bei Sammlungen in der Gemeinde übrig bleiben würde, selbst wenn es die Gesamtkosten für die schwere Glocke wären. Erst durch dieses hochherzige Angebot konnten am 07.08.1923 die 2 Stahlglocken von 10 1/2 und 27 Zentner Gewicht mit Ton "B" und "F" bei der Firma Ulrich & J.F. Weule in Bockenem im Harz bestellt werden.

Die Verhandlungen erwiesen sich wegen des ständigen Geldverfalls als sehr schwierig. Schließlich einigte man sich auf den Preis von 135 Zentner Roggen zum Kölner Börsenpreis am Tage der Lieferung. Ende September 1923 wurden die Glocken schon gegossen. Sie konnten aber wegen der Schwierigkeiten bei der Verzollung durch die Franzosen, der Besatzungsmacht im Rheinland nach dem ersten Weltkrieg, erst am 27.12.1923 verladen werden. Am 14.01.1924 trafen die Glocken endlich in Worringen ein.

Unter allgemeiner Begeisterung, holte man sie an der Bahn in Worringen ab. Die erste Nacht standen die Glocken auf dem Hof der Familie Hamacher, damals am Ortseingang von Horrem kommend. Am nächsten Tag wurden sie feierlich und unter Begleitung der Schulkinder durch das Dorf gefahren. Mit ungeschmälerter Begeisterung zog man sie in den Turm.

Diese schwere Arbeit wurde, unter der Leitung von Bauunternehmer Jakob Wahl aus Straberg und Zimmermeister Cornelius Kollenbroich aus Nievenheim, ohne Probleme erledigt. Vorher weihte man die Glocken im Beisein des Herrn Pfarrer Emonds von Nievenheim und zweier Herren aus Knechtsteden im Rahmen eines Hochamtes, das Pastor Dr. Minjon zelebrierte, feierlich ein. Dem Wunsche Hans Peter Zaums der großen Glocken mit dem Ton "F", den Namen Johannes Petrus zu geben, wurde entsprochen. Die kleinere Glocke mit dem Ton "B" erhielt wieder den Namen der heiligen Agatha. Ein schönes Geläute: Agatha - Hermann Josef - Johannes Petrus. Infolge der großen Begeisterung der Pfarrgemeindemitglieder ist so viel gespendet oder unentgeltlich gearbeitet worden, dass der Preis von 10.043,55 Mark einschließlich aller Nebenkosten bezahlt werden konnte.

Mit den Glocken wurde das "I-Tüpfelchen" auf unsere Kirche gesetzt.

Im 2. Weltkrieg blieben die Glocken unbeschadet. Sie wurden nicht zwecks Einschmelzung eingefordert.

Im Jahre 1951 hatte man außerdem noch die schwerste der drei Glocken motorisiert.

Text: Anneli Drexler + Textergänzungen: Christoph Pohl


1911 Freiwillige Feuerwehr Straberg

 

Der folgende Bericht enthält Auszüge aus der Festschrift von 2011 zum 100-jährigen Bestehen der Straberger Feuerwehr.

Bereits im Jahre 1890 gründete sich der Bezirksverband der freiwilligen Feuerwehren Mittel-Rheinland und 1891 der Feuerwehrverband der Rheinprovinz.

In den Zeiten vor Gründung der Feuerwehr lag die Verantwortung zur Feuerbekämpfung in den Kommunen und Dörfern und war sehr uneinheitlich, unorganisiert und spontan. So sah der Staat in Gestalt der preußischen Rheinprovinz Verbesserungsbedarf und beschloss, ein Netz von freiwilligen Feuerwehren (neben den schon bestehenden städtischen Feuerwehren) flächendeckend aufzubauen. Somit erfolgte die Gründung der Straberger Freiwilligen Feuerwehr nicht so ganz freiwillig. Der Kaiser ordnete an - und sukzessive gründeten sich in den einzelnen Orten Feuerwehren, um diese kaiserliche Verordnung hinsichtlich Ausrüstung, Ausbildung und Feuerbekämpfung umzusetzen.

In Straberg gab es vor der Gründung der Feuerwehr schon eine Feuerspritze welche der Allgemeinheit zur Verfügung stand. Ob diese ihren Standort in Straberg oder im Kloster Knechtsteden hatte, ist nicht mehr gesichert herauszufinden. Verbürgt ist ein Spritzenhaus im Kloster, wo eine Handspritze und sogar ein Leiterwagen untergebracht waren. Zum Kloster bestand eine enge Verbundenheit weil damals viele Straberger dort arbeiteten. So wurde wahrscheinlich dieses Gerät auch in Straberg und Umgebung eingesetzt.

Die Straberger ließen sich für die Gründung ihrer Feuerwehr etwas mehr Zeit, denn mit Ausnahme von Hackenbroich gab es eine im heutigen Stadtgebiet bereits überall.

1911, im Gründungsjahr der Feuerwehr zählte Straberg rund 600 Einwohner.

Überliefert ist, dass bei einem feuchtfröhlichen Frühschoppen beim Gastwirt Johann Peter Zaum, den Strabergern als "Hans Pitter" bekannt, 17 gestandene Männer entschlossen waren, die Freiwillige Feuerwehr Straberg zu gründen.

Kurz nach der Gründung rief man zur ersten Übung auf. Bei einem gestellten Brand im Heuboden der Gaststätte musste dieser von der Straße aus über eine Leiter erreicht werden, um den Brand zu löschen und eine Person (gestellt von einer mannsgroßen Puppe) aus der akuten Gefahr zu befreien.

Die damalige Ausrüstung war sehr bescheiden und wurde wahrscheinlich auch in Teilen von den Wehrmännern selbst finanziert. Es gab eine Leiter sowie Ledergürtel (zur Eigensicherung) für die Steiger, einige einfache Holzeimer, ein paar Seile, Einreißhaken und Beile. All diese Geräte wurden nach mündlicher Überlieferung neben der Gaststätte Zaum gegenüber der Kirche unter einem Dachüberstand gelagert. Alles war für jedermann zugänglich und diese Stelle kann als das erste "Gerätehaus" des Löschzuges angesehen werden. Mit einer Art Jagdhorn wurde Alarm geblasen oder man läutet die Glocken von St. Agatha. Das Löschwasser musste damals noch aus öffentlichen Brunnen bzw. aus Hausbrunnen gepumpt werden. Die beiden öffentlichen Brunnen befanden sich am Linden-Kirch-Platz und am Lindenbaum neben dem Pfarrhaus.

In der Zeit des ersten Weltkrieges bekam die Wehr die erste Spritze. Sie wurde auf einem Pferdekarren transportiert, während die nachfolgende Spritze wiederum noch von Hand gezogen werden musste.

Im Jahre 1943 gab es die erste Ringleitung zur Wasserversorgung deren Pumpstation im Kronenpützchen stand und mit Strom betrieben wurde. Fiel der Strom aus, und das kam durchaus öfter vor, funktionierte auch die Wasserversorgung nicht mehr. Dann musste man auf die noch existierenden öffentlichen und privaten Brunnen zurückgreifen.

Während des zweiten Weltkrieges bekam die Wehr die erste Motorspritze, die nicht so zuverlässig war. So hörte man des Öfteren den Satz "Eine tolle Sache - wenn sie denn läuft."

Unter der Militärregierung, nach dem zweiten Weltkrieg, wurden überall die Löschzüge neu gegründet.

Das Gerätehaus stand hinter der Kirche, in etwa dort wo heute die Garagen des Pastors stehen. Es handelte sich um einen einfachen Bau mit nur einem Raum und Ziegeldach und Holztor. Es gab weder Toiletten noch Waschgelegenheiten oder sonstige besondere Ausstattung. Dieser Raum wurde von der Polizei als zweitweiliges Gefängnis genutzt. Dazu erhält man gerne von einem festgenommenen Verbrecher, der einfach einige Dachziegel zur Seite schob und flüchtete.

Am 15. Januar 1959 erhielt der Löschzug sein erstes Kraftfahrzeug, einen VW-Bus mit einer Tragkraftspritze. In den sechziger Jahren bekam der Löschzug dann noch eine Anhängeleiter mit einer Steighöhe von 10 Meter und nach einigen Waldbränden ein Tanklöschfahrzeug. Nun wurde das alte "Spröözehüsje" zu klein.

 

In den Jahren 1972 und 1973 wurde das neue Gerätehaus an der Norbertstraße gebaut.

 

Links auf dem Bild ist die Gaststätte Haas ( Hans Pitter ) zu erkennen.

Heute steht dort die Bushaltestelle.

10. Juni 1973 Einweihung des Feuerwehrgerätehaus

 

Der Einsatz am Silvesterabend des Jahres 1974 sollte zu einem sehr denkwürdigen in der Geschichte des Löschzuges werden. An diesem Tag rückte die "Freiwillige Feuerwehr Straberg" zu einem Feuer in einem Strohschuppen bei der Gaststätte Haas (Hans Pitter) aus.

Die Löscharbeiten des Großbrandes waren umfangreich und mühselig und dauerten entsprechend bis in die frühen Morgenstunden.

Als die Kameraden am Morgen des Neujahrstages 1975 einrückten, waren sie wegen der in dieser Nach vollzogenen kommunalen Neugliederung die "Freiwillige Feuerwehr der Stadt Dormagen - Löschzug Straberg".

Unter der Leitung des Löschzugführers Hans Peters wurde dann im Jahre 1977 die heute noch bestehende Jugendfeuerwehr gegründet. 

Im Jahre 1986 stand dann das 75. Jubiläum des Löschzuges an, welches am 7. und 8. Juni mit einme Feuerwehrball und einem Festkommerz im Hubertussaal gebührend gefeiert wurde.

Während die Feuerwehr immer weiter wuchs sind auch die Löschzüge des Stadtverbandes immer intensiver zusammen gewachsen. Die Fachausbildung erfolgt nunmehr gemeinsam. In Stadt und Kreis, die Lehrgänge werden immer effektiver und aufeinander abgestimmt und zunehmend zeitintensiver. Für jeden Feuerwehrmann/-frau ist es nun möglich, schnell und zeitnah alle wichtigen Lehrgänge zu besuchen.

So hat die Straberger Feuerwehr eine gut ausgebildete Truppe, welche die verschiedensten Aufgaben verrichten kann, die von den Feuerwehrkameraden in ihrer Freizeit freiwillig und pflichtbewusst, sowohl selbstständig als auch mit anderen Löschzügen, aber immer mit dem Herz am rechten Platz, erledigt werden.

10.Juni 1973 diverse Aufnahmen Gerätehaus Einweihung 

 

Der Löschzug Straberg:

Wir, das sind mittlerweile insgesamt 55 Freiwillige Feuerwehrleute in der Jugend, den Aktiven und der Ehrenabteilung. Wir treffen uns immer mittwochs um 19:00 Uhr am Gerätehaus zum Übungsdienst. Hier trainieren wir für den Ernstfall. Schließlich haben sich die Aufgaben der Feuerwehr in Straberg, seit Gründung im Jahre 1911, stark verändert und es geht heute nicht mehr nur ums Feuer löschen. Durch seine zentrale Lage ist der Löschzug sehr stark an Einsätzen in anderen Ortsteilen beteiligt. Neben den drei eigenen Löschfahrzeugen sind die 34 Männer und zwei Frauen auch auf den Sonderfahrzeugen, wie zum Beispiel der Drehleiter, ausgebildet. Obwohl das Walddorf mit 2750 Einwohnern nicht zu den bevölkerungsreichsten zählt, so stellt es mit 34 aktiven Kameraden den dritt stärksten Löschzug im Stadtgebiet. Sicherlich ein Zeichen guter und funktionierender Kameradschaft. Klar müssen unsere Familien öfter mal auf uns verzichten aber wir versuchen auch viele gemeinsame Sachen mit ihnen zu unternehmen. Ob gemütlicher Abend, Ausflug, Sommerfest, Weihnachtsbaum aufstellen oder einfach mal zum Fußball gucken, unsere Partner und Kinder sind immer willkommen! So wird es bei uns nie langweilig denn im Löschzug Straberg ist immer etwas los!


"Et Wasser lööf!", verkündete "Schutzmann" Jürgen Brockmeyer (links), als Margret Steiner den Pumpenschwengel erstmals betätigte, nachdem Jean Heutz (2.v.l.) die amtliche Genehmigung zur Wasserförderung überbracht hatte.

Da stiftete Dr.Nachtsheim (rechts) gern die ersten Sitzungsgelder fürs Pumpenfest.

1989 Dorfplatz-Pumpe

Im Jahre 1989 wurde die Dorfplatz-Pumpe in Betrieb genommen. Hierzu Auszüge aus dem Rheinischen Anzeiger von damals:

 

"Straberg - Es hat zwar einige Zeit gedauert, bis aud der Idee von KJG-Chefin Margret Steiner plätschernde Wirklichkeit wurde. Aber rechtzeitig zum Schützenfest floß aus der neuen alten Handschwengel-Pumpe auf dem Linden-Kirch-Platz aus sieben Metern Tiefe kühles klares Grundwasser.

Grundstock für diese jüngste Errungenschaft des Walddorfes waren einerseits die 500 DM Prämie aus dem Wettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" und zum anderen die 500 DM des Umweltschutzpreises der Stadt für die KJG. Den Rest trug die KJG aus Altpapiersammlungen und Stiftungen zusammen...

Jetzt goß Margret Steiner mit dem ersten kühlen Nass aus der Pumpe erst einmal die Blumen am Denkmal, "Backes Pitter" holte sich auch gleich einen Eimer Wasser ab, als das Ergebnis zum Schützenfest-Auftakt gefeiert wurde.

Bei Kölsch und Alt, Flönz und Brötchen freute man sich über das gelungene Werk, dessen Premiere Jürgen Brockmeyer in alten Schutzmann-Klamotten mit der Schelle in der Hand durchs Dorf ausrief...

Den Bürgern und Schützen gefiel übrigens dieser Schützenfest-Auftakt so gut, dass jedes Jahr zur Spätkirmes freitags das Brunnenfest gefeiert werden soll.

Textauszug: Rheinischer Anzeiger  |  Vielen Dank an Annelie Drexler 


1994 Krokodil (Sammy) im Baggersee

Im Sommer 1994 kam unser Baggersee (in der Dorfjugend als Strabi bekannt) in die Schlagzeilen. Ein Badegast hatte seinen Brillenkaiman Sammy am Badestrand an einer Hundeleine Gassi geführt. Dieser aufsehenerregende Badeausflug sollte unverhofft in die Geschichte gehen, denn im Badewasser schüttelte der Brillenkaiman das Halsband ab und schwamm davon. Erst nach einer tagelangen Suche konnte er unverletzt gefangen werden. Sammy wurde nachdem er gefasst wurde dem Kölner Zoo übergeben. Nach kurzer Zeit fand man leider heraus, dass im Kölner Zoo keine artgerechte Haltung möglich war, musste Sammy noch einmal die Koffer packen. Auf ging es nach Falkenstein in Sachsen, wo Sammy in einem Tropenhaus seine neue Heimat gefunden hat.